Das „Pro“ im „Problem“

Das „Pro“ im „Problem“

Sind Probleme für Irgendwas gut? Auf den ersten Blick sicher nicht. Wozu kann es schon gut sein, im Stau zu stehen vor einem wichtigen Termin, mal wieder 2 Kilo mehr auf der Waage zu haben als noch letzte Woche oder den lang ersehnten Auftrag/ die erhoffte Beförderung nicht zu bekommen? Und wozu um Himmels willen ist es gut, arbeitslos zu werden, die Wohnung zu verlieren oder sogar den Partner…

Vieles, was uns wiederfährt, ist von uns nicht gewollt, fremd gesteuert, unwillkommen und belastend. Da ist es nur nahe liegend, sich in der Opferrolle zu sehen. Die inneren „Immer ich“- Tiraden, „Das ist wieder typisch“-Gedanken oder das „ich wusste es doch“ der self-fulfilling prophecy kennen wir Alle. So dienen uns nicht gewollte Entwicklungen als Beweis, eben mal wieder nicht auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, in Abgrenzung zu all denen, denen alles zufällt, alles leicht fällt.

Ein recht provokativer Ansatz scheint es also zu sein, wenn man sich – bei allen berechtigten negativen Gefühlen – im Umgang mit derartigen Ereignissen fragt: „Hat denn diese Situation auch etwas Positives? Gibt es auch hier die „andere Seite der Medaille?“ , eine beinhaltete Botschaft/ eine Lernaufgabe/ etwas Besseres, das vielleicht schon um die Ecke wartet?

Wer sich mit detektivischem Gespür auf die Suche nach dieser „Positiven Absicht“ im Problem macht und das Gefundene gleichberechtigt neben den berechtigten Ärger und all die offensichtlichen Nachteile stellt, der gewinnt innere Freiheit. Die Akzeptanz und Integration beider Seiten erleichtert Weiterentwicklung. Ein integriertes „Pro“blem verabschiedet sich eleganter, als eines, das wir bekämpfen. Dazu gehört auch das Vertrauen, dass sich dieses „Pro“ oft nicht auf den ersten Blick zeigt.
Als ich das letzte Mal im Stau stand und meinen wichtigen Neukunden anrief, um ihm die verursachte Verspätung kleinlaut mitzuteilen, ergab sich in dem Telefonat so eine nette menschliche Atmosphäre, dass das verspätet begonnene Meeting anschließend einen geradezu leichtfüssigen Start hatte. Bewusst wurde mir das allerdings erst im Nachhinein.
Und dass ich damals vor Jahren den Job bei der großen Consulting-Firma doch nicht bekam, obwohl mündlich schon zugesagt, ermöglicht mir heute, mit meiner eigenen Firma so eine schöne Arbeit zu machen , die ich gegen keine andere Tätigkeit mehr eintauschen möchte.Also: Begeben Sie sich auf die Suche nach dem „Pro“. Es lohnt sich.

Christine SchauerCoach Ravensburg

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